Depot-Übertrag bei IBKR — muss ich das in Österreich erklären?

Stand: 2026-06-03 · Lesezeit: ~6 Minuten · Gilt für: AT-Privatpersonen, die zwischen eigenen IBKR-Konten umgebucht haben oder von der IBKR-LLC-zu-Ireland-Migration betroffen waren

Vielleicht kennst Du das: Anfang 2022 kam plötzlich ein neuer Konto-Code in Deinen IBKR-Statements (U24…), Deine ganze Position wurde von Deinem alten Konto (U7…) auf das neue umgebucht — ohne dass Du irgendwas verkauft hättest. Das war die Brexit-/ATAD-bedingte Migration von Interactive Brokers LLC (US-Entity) zu Interactive Brokers Ireland Limited.

Oder Du hast aktiv selbst umgeschichtet — eine Position von einem Sub-Account auf einen anderen, weil Du verschiedene Strategien trennen wolltest.

In beiden Fällen taucht in der FlexQuery der nächsten Monate alles „neu" auf. Logische Frage: muss ich da was erklären? Gilt das als Verkauf?

Antwort vorweg: Nein, nicht in Österreich. Aber Du musst eine Sache prüfen, sonst zahlst Du bei den nächsten Verkäufen zu viel KESt.

Die gesetzliche Lage in einer Minute

§ 27 Abs 6 Z 2 EStG regelt: ein Depotübertrag zwischen Konten derselben Person bei derselben Bank löst keine Steuer aus und ist nicht meldepflichtig.

Das gilt ausdrücklich auch für ausländische Sachverhalte — die Regel knüpft an die Identität von Anleger und Bank, nicht an die Geografie an. Quelle: Enzinger Steuerberatung — Depotübertrag in Österreich, steuerliche Auswirkungen.

KonstellationSteuerlich
Eigener Übertrag zwischen zwei IBKR-Sub-Accountssteuerneutral, keine Meldepflicht
IBKR LLC → IBKR Ireland (ATAD-Migration 2021/2022)steuerneutral (s.u.)
Übertrag zu einem anderen Broker (z. B. IBKR → CapTrader)meldepflichtig, Anschaffungs­kosten müssen nachgewiesen werden
Übertrag an eine andere Person (Schenkung)steuerneutral, aber meldepflichtig + ggf. Schenkungs­meldegesetz

Graue Zone: IBKR LLC ↔ IBKR Ireland

Die ATAD-bedingte Migration war keine Wahl, sondern eine vom Regulator erzwungene Umstellung. Trotzdem bleibt formal die Frage: ist IBKR LLC (Greenwich, CT) dieselbe Bank wie IBKR Ireland (Dublin)?

Streng juristisch: zwei Rechtspersonen. Praktisch:

  • Beide gehören zur Interactive Brokers Group.
  • Die Umstellung war automatisch und ohne Verkaufs­vorgang auf der Broker-Seite (keine Realisierung der Lots).
  • Die ursprünglichen Anschaffungs­daten und Kostenbasen wurden 1:1 auf das neue Konto übernommen — sichtbar in der FlexQuery durch unveränderte OPEN_DATE-Felder pro Lot.

Der Praxis-Konsens unter AT-Steuerberatern: solche konzerninternen Migrationen werden wie „dieselbe Bank" behandelt. Es gibt keine offizielle BMF-Stellungnahme dazu, aber auch keinen bekannten Fall, in dem ein Finanzamt für diese Migration KESt nachgefordert hätte.

💡 Sicherheits-Tipp: Wenn Du ganz vorsichtig sein willst, ergänze in der E1kv unter „Sonstige Hinweise" einen Satz wie: „Im Berechnungs­zeitraum erfolgte ein technischer Konten­übertrag innerhalb der Interactive Brokers Group (LLC → Ireland) ohne Realisierung. Anschaffungs­kosten unverändert übernommen." Das ist freiwillig, schafft aber Transparenz.

Das eigentliche Risiko: Anschaffungs­kosten

Steuerneutral bedeutet nur, dass der Übertrag selbst keine Steuer auslöst. Was Du trotzdem korrekt mitführen musst, sind die Anschaffungs­kosten und das Anschaffungs­datum der übertragenen Lots — denn die brauchst Du beim späteren Verkauf.

Schief geht es, wenn der Broker (oder Deine Steuer-Software) die Lots am Übertragsdatum als „neu eingebracht zum Markt-Stichtagskurs" behandelt. Beispiel:

PositionWert
Kauf VW 2018 (LLC-Konto)100 Stk @ 130 € = 13.000 €
Migration auf Ireland-Konto 2022Markt­wert: 100 Stk @ 175 € = 17.500 €
Verkauf 2025100 Stk @ 200 € = 20.000 €

Korrekt (Anschaffungs­kosten 2018 mitgenommen): Realisierter Gewinn = 20.000 − 13.000 = 7.000 € → KESt 1.925 €

Falsch (Migration als Neueinbringung 2022 zum Markt­wert behandelt): Realisierter Gewinn = 20.000 − 17.500 = 2.500 € → KESt 687 €

Bei diesem Fehler zahlst Du zu wenig KESt — und riskierst eine Nach­zahlung plus Anspruchszinsen, wenn das Finanzamt das später aufrollt. Andersrum ist der Fehler im IBKR-Standard­fall nicht der häufige — IBKR übernimmt die Lots mit Original-Daten. Aber prüfen lohnt sich.

Was Du konkret prüfen solltest

1. FlexQuery-Section „Open Position Lots" oder „Closed Lots" für das neue Konto holen.

Dort steht pro Lot ein OPEN_DATE und eine COST_BASIS.

2. Vergleich mit dem alten Konto.

Wenn Du einen FlexQuery-Export des alten Kontos vor der Migration hast (oder im IBKR Activity Statement nachschauen kannst), müssen OPEN_DATE und Kosten­basis pro Lot identisch sein.

3. Sicherung der Belege.

Speichere die letzte Activity-Statement-PDF des alten Kontos plus das erste neue Statement. Das ist Dein Nachweis im Streitfall — auch in 5 Jahren noch.

4. Bei Übertrag zwischen eigenen Sub-Accounts (Du selbst hast initiert):

IBKR-Statements der Quell- und Ziel-Konten miteinander abgleichen. Bei aktiv vom Anleger initiierten Inner-Broker-Übertragen sollte IBKR ebenfalls die Kosten­basis mit­geben, in Einzel­fällen ist hier aber Vorsicht angezeigt.

Wo DepotTax Dich entlastet

DepotTax verarbeitet mehrere IBKR-Konten gleichzeitig pro Person und führt die Anschaffungs­kosten konsistent durch:

  • Jeder Open-Position-Lot wird mit seinem historischen open_date und der ursprünglichen Kosten­basis importiert — auch wenn dieser Lot über einen Konten­übertrag auf das aktuelle Konto kam.
  • Die Tax-Engine (FIFO / Avg-Cost) rechnet realisierte Gewinne immer gegen die historische Kosten­basis, nicht gegen einen späteren Markt­wert.
  • Über alle Konten einer Person (z. B. U7960159 alt + U24061047 nach Migration) bekommst Du eine konsolidierte Steuer­erklärungs-Beilage als PDF — der Steuer­berater sieht beide Konten, die Werte stimmen.
  • Im Dashboard-Hinweis flaggen wir Konten als „geschätzter Eröffnungs­bestand" auf, wenn die Lot-Historie nicht zurückverfolgbar ist — dann weißt Du, dass Du den Kosten­basis-Check händisch machen solltest.

DepotTax → kostenlos testen

💬 Bei Unsicherheit über die richtige Behandlung eines konkreten Übertrags: Steuer­berater fragen, nicht raten. Wenn Du keinen hast und es um größere Beträge geht, team@depottax.at schreiben — wir vermitteln gerne an AT-Spezialisten mit Broker-Erfahrung.